Kolumne | Mia, Skin Culture

Der alte Sack…

Kennt ihr das? Ihr seid auf einer Familienparty eingeladen… Wie immer sind die angesagten Verwandten da. Die, die immer besoffen sind am Ende des Tages. Die, die immer als erste am Buffet sind wenn es um das Fressen geht. Die nervigen, die aufdringlichen, die schüchternen Verwandten und Bekannten. Die, denen man eigentlich gar nicht über den Weg laufen will. Die, mit denen man immer streitet, aber auch die, auf die man sich seit der letzten Party freut um die guten Gespräche weiterzuführen.

Ja, es gibt alle Arten von Menschen auf diesen Partys… Und meistens gibt es da noch einen. Einen alten verstaubten Kerl. Der schon immer da war. Keiner weiß so richtig mit wem der verwand ist. Das Gespräch sucht man eigentlich kaum mit ihm, denn der redet meist über die „guten alten Zeiten“. So richtig „in“ scheint der auch nicht zu sein. Irgendwie uninteressant. Auf den ersten Blick. Wahrscheinlich. Alt, faltig, seltsam, verschlossen, knorzig. Ihr wisst schon was ich meine.

Doch da sind einige wenige Verwandte, meist auch aus der „älteren Generation“, die verhalten sich weniger abweisend dem alten Knacker gegenüber. Die suchen hier und da das Gespräch. Warum ist das so? Vielleicht weil unter der staubigen Schicht doch etwas zu entdecken ist?
Aber was zum Himmel macht der alte Typ hier auf der Feier? Nun.. so, oder so ähnlich könnte man sich auch die Tätowiererfamilie und deren Feierlaune vorstellen. Tätowierer. Was ein buntes Volk. Da gibt es auch alle Arten von Menschen. Nur die die nichts fressen, die gibt es nicht.
 

Ich gehöre sicher auch eher zu den Vögeln die nicht „in“ sind, bin ich überhaupt ein richtiger Tätowierer? Was ist das überhaupt? Nun ja. Ich tätowiere. Aus Leidenschaft. Also scheine ich irgendwie zu dieser Familie dazu zugehören. Wenn ich mich auch oft fremd fühle und nur selten familiär. Ein paar Kollegen treffe ich gerne. Ein paar gehen mir auf die Nerven, viele kenne ich kaum.

Und wenn ich mich so umschaue, dann gibt es auch bei uns den knorzigen, alten, verstaubten Kerl, der irgendwie „da“ ist und keiner weiß warum überhaupt. In meinen ersten Berufsjahren habe ich den alten Sack gar nicht wahr oder wichtig genommen. Irgendwann habe ich mich dann mit dem Typen mal etwas auseinandergesetzt – festgestellt, dass der was zu erzählen hat – dass der tatsächlich eine interessante Vergangenheit hat. Und ich habe anerkennen dürfen, dass dieser knorzige Kerl wichtiger für die gesamte Tätowierfamilie ist, als ich es gedacht hätte.

Nur scheint der alte Kerl die Fresse nicht so aufzureißen um von alten Heldentaten zu erzählen. Da gibt es jüngere, lautere Kollegen die die Blicke auf sich ziehen. Schade eigentlich mit der fehlenden Stimme, denn ich bin sicher, es würden einige zuhören. Seine Stimme ist halt nicht so laut, die äußere Erscheinung eher altbacken, und die ollen Knochen verleihen nicht gerade den schnellsten und geschmeidigsten Gang.

Über wen wir sprechen? Über den DOT. Vielleicht schon einmal gehört?
Ja, vermutlich habe ich jetzt alle Hoffnungen zerstört die auf etwas „spektakuläres“ gehofft haben. Spektakulär ist nichts dabei.
Wie ich beschrieben habe, es bleibt nur alt und verstaubt. Ein Kerl aus „damaligen Zeiten“.


D.O.T. e.V. – Deutsche organisierte Tätowierer e.V.

Gegründet vor zig Jahren, da sind die meisten Tätowierer die heute tollen und gefeierten „Youngstars“ nicht mal mit der Trommel um den Weihnachtsbaum gelaufen, vermutlich waren die noch nicht mal ein schmutziger Gedanke. Dabei waren zum Beispiel Ralf Guttermann, Tommy Köhler, Hängo, Monique, Maik Frey, Sting, Dieter Zalisz, Klaus Zimmerer, Peter Greiser und Herry Nentwig.

Gegründet von wenigen Tätowierern. Den Pionieren in Deutschland. Mit einer Vision, mit einem Ziel. Das Tätowieren für die gesamte Branche nach vorne bringen, den Tätowierern eine Lobby zu bieten, eine Stimme zu bilden und Einfluss nehmen zu können.

Und genau das tat der DOT. Genau das tut der DOT.

Der DOT ist derzeit ein kleiner zuweilen totgeglaubter Verein. Wenig wahrgenommen, von vielen belächelt, von vielen verlassen.
Ein kleiner Verein mit einer überschaubaren Zahl an Aktivisten und Unterstützern. Was die derzeit tun? Das gleiche wie vor vielen Jahren. Für das Tätowieren kämpfen. Sinnlose Gesetze fernhaltend, gute Regelungen positiv beeinflussend, auf internationaler Ebene kämpfend!
Und warum? Damit ich in 10 Jahren noch immer aus Leidenschaft tätowieren darf und kann! Und damit alle anderen professionellen Tätowierer es ebenso machen können!

Schon 1998 wurden vom DOT die ersten Hygienerichtlinen und Seminare entwickelt. Diese wurden dann sogar 2010 vom Arbeitskreis Krankenhaus- und Praxishygiene (AWMF) übernommen. Nachdem die Europäische Kommission in Brüssel den DOT auf Grundlage der Hygienerichtlinien vor 5 Jahren angesprochen hatte, diese als europäische Norm zu standardisieren, arbeitet der DOT an der DIN EN 17169 im CEN/TC 435 vom DIN in Berlin.


Du hast sicher Recht, der DOT kämpft auch ohne weitere Unterstützer für die Branche. Der DOT hat sich ja auch bis jetzt bis zur finanziellen Erschöpfung  für das Tätowieren und die Schaffung von nationalen und internationalen Standards eingesetzt. Dann kann der olle Knorzsack das ja auch weiterhin machen.

Aber ganz ehrlich? Vielleicht solltest du dir mal eine Stunde Zeit nehmen. Dich informieren über diesen alten Sack. Und vielleicht wird dir dann bewusst was der DOT ist.

Setz dich mal zusammen mit dem staubigen Verwandten, hör dir mal seine Vergangenheit an. Und werde dir bewusst, dass er die Tätowiererbranche auch derzeit fürsorglich am schützen ist. Vielleicht mal ein Bier zusammen trinken. Vielleicht erkennen, dass da Gemeinsamkeiten sind.
Ich hab das getan, habe erkannt, dass hinter der echt staubigen Hülle ein verdammt guter Kern steckt. Und für mich habe ich damals entscheiden, dass ich nicht nur von der intensiven Arbeit dieses alten Sacks profitieren will. Ich will was zurückgeben, will unterstützen. Am Ende möchte ich niemand sein der sich auf Kosten des alten Herrn durch ein tolles Leben frisst. Sondern ich möchte wenigstens aus Respekt für die vergangenen Leistungen und aus Anerkennung für die zukunftsbedeutenden Handlungen meinen Teil dazugeben.

So. Nun du.. Du kannst entweder auf der nächsten „Party“ wieder vorbei geben und dich dem aktuellen Hype hingeben, oder du setzt dich mal mit dem auseinander was in den letzten und in den kommenden Jahren deinen Arsch schützt.

Wer weiß, vielleicht willst Du sogar Mitglied werden. Auf der Seite www.dot-ev.de ist alles zu finden. Voraussetzungen für eine Anmeldung und die nötigen Unterlagen.

Prost!

Mia

Mia Silke Knopp – Ende der 90er Jahre absolvierte sie eine klassische Ausbildung zur Tätowiererin und machte sich 2000 mit ihrem eigenen Tattoostudio selbstständig. Mias Schwerpunkt liegt auf naturrealistischen Tattoos in Schwarzgrau, die sich durch detailverliebte Feinheiten auszeichnen.

Mia Skin Culture | Jakobsspitälchen 3 | 54290 Trier

Tel.: +49 (651) 99467080 | E-Mail: info@mia-tattoo.de

FB: Mia Tattoostudio | Instagram: mia_tattoo_trier

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